Mitgliederversammlung des VHSp

Umfangreicher Forderungskatalog:
Hamburger Spediteure setzen
 große Erwartungen in den neuen Hamburger Senat
·      Ausstehende, dringende Infrastrukturprojekte angemahnt
·      Containerverkehre wandern möglicherweise in andere Häfen ab
·      Senator Horch bestätigt Teilnahme Hamburgs am Feldversuch mit dem Lang-Lkw
Mit einem umfangreichen Forderungskatalog hat sich der Verein Hamburger Spediteure e.V. (VHSp) anlässlich seiner Jahreshauptversammlung an die Politik gewandt: „Dazu zählen vor allem die Fahrrinnenanpassung der Elbe und der Bau der Y-Trasse der Bahn“, erläuterte der VHSp-Vorsitzer Johan Peter Schryver, gleichzeitig Geschäftsführer und Inhaber der Spedition H.J. Schryver & Co. (GmbH & Co.). „Auch wenn die Politiker in Berlin und den Ländern uns gegenüber immer wieder betonen, dass auch sie diese Projekte mit höchster Priorität versehen, passiert in der Praxis nichts. Ein Zustand, der für mich als Unternehmer unbegreiflich ist.“
 
Hamburg, den 5. Mai 2011. Aber auch die Stausituation auf den Hamburger Straßen, die teilweise schleppende Abfertigung an den Containerterminals, der verzögerte Ausbau der Aircargo-Anlagen am Hamburger Flughafen oder die neue „Regensteuer“ trifft die Hamburger Spediteure. Dennoch: „Wir wollen unsere geschäftlichen Entscheidungen den Herausforderungen anpassen und die Transporte von und nach sowie durch Deutschland so organisieren, dass unsere Kunden von den Widrigkeiten möglichst wenig merken“, so Vorsitzer Schryver. Die Konsequenz sei, dass dadurch so mancher Container oder manche Projektladung über die Hamburger Wettbewerbshäfen geleitet wird. Zwar habe der alte Hamburger Senat sich noch auf eine Trassenführung für die Hafenquerspange geeinigt, doch gebaut sei sie immer noch nicht. Daher setze der VHSp jetzt große Hoffnungen auf die Politik des neuen Präses der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Senator Frank Horch.
Erfreut zeigte Schryver sich über die Verkündung des Gesetzes zur Auflösung des Hamburger Freihafens zum 1. Januar 2013. „Damit ist eine seit Jahren erhobene Forderung des VHSp erfüllt worden.“ Schryver hofft, dass sich dadurch die Lkw-Verkehre an den Hamburger Kaibetrieben gravierend verbessern werden – und damit auch die gesamte Verkehrssituation im Hamburger Hafen. Der Lkw bleibe schließlich das beliebteste Verkehrsmittel im Landtransport.
 
Senator Horch verspricht offenen Dialog mit den Spediteuren – Teilnahme am Feldversuch zum Lang-Lkw bestätigt
Gastredner Senator Frank Horch kündigte auf der Versammlung einen offenen Dialog mit den Spediteuren an, „die kritische Haltung ist bei mir angekommen!“ Er versprach, die Verkehrsinfrastrukturen zu stärken, sie bedarfsgerecht auszubauen und die vorhandenen Strukturen so effizient wie möglich auszulasten. Dazu gehöre nun auch die Teilnahme Hamburgs am Feldversuch zur Einführung des Lang-Lkws, für den sich der VHSp bereits seit Jahren einsetzt. Horch denkt hier zunächst an eine Einsatzbegrenzung auf Hafen- und Logistikareale einschließlich der Autobahn A7.
Die Elbvertiefung sei für den Senat, den ersten Bürgermeister und für ihn ein Projekt mit allerhöchster Priorität. Ebenso versprach er, Verbesserungen bei den Hinterlandanbindungen in Angriff zu nehmen. Dabei soll der Anteil der Binnenschifffahrt im Hinterlandverkehr von heute einem auf fünf Prozent steigen. Auch die Luftfracht wolle die neue Hamburger Regierung mit einer „nachfragegerechten Weiterentwicklung der Infrastrukturen“ unterstützen.
 
Alle Reedereien zu fairen Vergütungen bewegen
Eine umfangreiche Bilanz Ihrer Aktivitäten zogen während der Jahreshauptversammlung die Vorsitzer der VHSp-Fachausschüsse. So beklagte Gert Tews, Vorsitzer des Fachausschusses Exportspedition, dass einige asiatische Reedereien die für sie finanziell attraktive Vertriebsarbeit der Spediteure „mit einem besseren Trinkgeld in Form einer pauschalen Kommission abspeisen“. Tews betonte: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, auch diese Reedereien zu einer fairen Vergütung der Vertriebsarbeit der Spediteure zu bewegen.“
 
Sorgen bei neuen Steuersätzen für Diesel
Dierk Schulz, Vorsitzer des Fachausschusses Internationale Spedition, kritisierte, dass nicht alle Speditionskunden bereit sind, die geforderten Dieselöl-Zuschläge zu zahlen. Sorgen bereite auch, dass die EU-Kommission die Diesel-Besteuerung neu regeln möchte. In der Folge würde sich der Mindeststeuersatz von Diesel in Deutschland um etwa 60 Prozent auf dann 75 Cent pro Liter erhöhen. Schulz warnte: „Der daraus resultierende Kostenanstieg, der auf Grund der geringen Margen an die Kunden weitergereicht werden müsste, hätte Auswirkungen auf die Gesamtkonjunktur unserer Bundesrepublik!“
 
Abfertigungssituation an Hamburger Containerterminals verbessern
Große Sorge bereitet Reiner Heiken, Vorsitzer des Fachausschusses Importspedition, die Lkw-Abfertigungssituation an einigen Hamburger Containerterminals: „Wartezeiten von einigen Stunden sind keine Seltenheit.“ Ein Grund dafür sei, dass der Terminalausbau auf Grund der wirtschaftlichen Talfahrt der vergangenen Jahre zeitlich verzögert wurde. „Im Nachhinein war diese Entscheidung falsch“, so Heiken.
 
Netzverkehre brauchen reibungslosen Verkehrsfluss
„Staus gefährden den Produktionsstandort Hamburg“, warnte Friedrich Wendt, Vorsitzer des Fachausschusses Landverkehr. Schon für nur zehn Millionen EUR könne eine Verkehrsdurchsatzsteigerung von 15 Prozent erreicht werden und damit der Verkehrsfluss in einem der größten deutschen Industriestandorte stabilisiert werden. So seien in den vergangenen sieben Jahren nur rund 50 Ampelanlagen von 1.780 in Hamburg auf eine vernetzungsfähige, intelligente Steuerung umgebaut. „Dieser Zeitraum hätte für eine Umstellung in ganz Hamburg gereicht!“ Hintergrund seiner Forderung sind die bundesweit getakteten Netzverkehre. Würden deren Abfahrten wegen Staus nicht pünktlich erreicht, könne die Ware erst einen Tag später zugestellt werden. Die Folge: Diese Waren würden über kurz oder lang nicht mehr in Hamburg eingekauft werden.
 
 
Bedeutung der Luftfracht in Hamburg unterschätzt
Willem van der Schalk, Vorsitzer des Fachausschusses Luftfrachtspedition, verwies auf das hohe und unterschätzte Potenzial an Luftfracht in der Metropolregion Hamburg, das bei rund 140.000 Tonnen jährlich liege, von denen nur 72.000 Tonnen über den Flughafen abgefertigt werden, wobei auch davon noch ein Teil per Lkw zu anderen Flughäfen geht. Er befürchtete, dass sich die Fracht in den nächsten Jahren noch weiter auf die umliegenden Gebiete um den Flughafen verteilt haben werde, da das neue Frachtzentrum erst in rund drei Jahren fertig sein werde. Positiv hervorzuheben sei jedoch, dass nunmehr eine Entscheidung zum Bau des neuen Frachtzentrums gefallen sei. Einen wichtigen Erfolg habe man mit der Abwendung vorgezogener Öffnungszeiten des Zolls am Flughafen erzielen können. Dadurch, dass sich alle Beteiligten, Spediteure, Airlines, Handlingagenten, Flughafen, Wirtschaftsbehörde und Handelskammer, an einen Tisch gesetzt hätten, konnte letztlich ein akzeptabler Kompromiss erzielt werden. Statt wie geplant bis 18.30 Uhr sei der Zoll nun wenigstens bis 20.00 Uhr geöffnet – gegenüber vorher 21.00 Uhr.
 
Neue Sielbenutzungsgebühren führen zu hohen Kosten
Wolfgang Przybisch, Vorsitzer des Fachausschusses Lagerei und Distributionslogistik, berichtete von einem um über ein Drittel auf rund 160.000 Quadratmeter gestiegenen Flächenumsatz bei den Logistik- und Industrieflächen im ersten Quartal 2011 gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Fast 60 Prozent davon fanden in Hafennähe und Billbrook statt, so Przybisch: „Dieses hohe hafennahe Fertigungsvolumen ist gerade für Speditions- und Logistikunternehmen sehr interessant und unverzichtbar, da hier enorme Einsparungen an Vor- und Nachläufen am Hamburger Hafen erzielt werden können.“ Das trage besonders zur Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsunternehmen bei. Als Verlierer sieht Przybisch jedoch die Unternehmen bei der neuen Hamburger Sielbenutzungsgebühr. Die neue Abgabe für Regenwasser treffe vor allem Speditions- und Logistikbetriebe mit großen Versiegelungsflächen und wenig Frischwasserverbrauch: Sie werden deutlich höhere Gebühren zahlen müssen. Er forderte den Senat auf, hier Härtefallregelungen und Übergangsfristen zu schaffen oder Förderprogramme zur Verfügung zu stellen. Senator Horch hat auch zu diesem Punkt zu erkennen gegeben, dass er hierbei zu Gesprächen mit den Hamburger Spediteuren bereit sei.

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Veröffentlicht
10:43:28 06.05.2011

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